Etwa 10 Millionen Menschen in Deutschland brauchen Leichte Sprache. Die Regeln besagen: Die Sätze sind kurz, nur 5 bis 8 Wörter pro Satz. Es gibt nur Hauptsätze und Fremdwörter und Fachbegriffe werden erklärt. Leichte Sprache entsteht immer nur gemeinsam mit der Zielgruppe. Ein:e Übersetzer:in übersetzt die Inhalte und mindestens zwei Personen aus der Zielgruppe überprüfen das Ergebnis auf Verständlichkeit. Lange gab es fast ausschließlich Sachtexte in Leichter Sprache, also zum Beispiel Gesetzestexte oder Parteiprogramme.
Seit Anne Leichtfuß „Anti•gone” für die Münchner Kammerspiele übersetzt hat, ändert sich das. Leichte Sprache wird auf der Bühne lebendig und öffnet ganz neue inhaltliche und ästhetische Räume. Und auch Autor:innen mit anderen Lernmöglichkeiten werden mehr und mehr für die Bühne entdeckt. Dieses Panel stellt nicht nur drei Projekte rund um “crip authorship” und Stücke in Leichter Sprache vor, sondern vertieft die Fragen nach Autor:innenschaft und Inklusion im Gespräch mit Allen, die da sind.
Daniel Cremer, geboren 1983 in Mönchengladbach. Seit 2003 ist er als Regisseur im Sprechtheater ebenso wie in der Oper und in experimentellen Formaten zuhause. In den letzten Jahren wirkte er u.a. am Maxim-Gorki-Theater Berlin, dem Mousonturm Frankfurt und dem Nationaltheater Mannheim. Einladung zu Festivals wie Radikal Jung am Münchner Volkstheater und dem Stückemarkt beim Berliner Theatertreffen. Mitbegründer der Theatergruppe Talking Straight. Im Jahr 2015 erhielt er für seine gleichnamige Performancereihe den „Preis der Autoren“ der Frankfurter Autorenstiftung. Zuletzt produzierte Daniel Cremer als Performancekünstler die Soloshow „Like a Prayer“ für die Komische Oper Berlin und brachte als Regisseur das multidisziplinäre Projekt „Schule der Liebenden“ am Theater HORA in Zürich und FAUST in Leichter Sprache am Nationaltheater Mannheim heraus.

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Johanna Kappauf arbeitete nach der Schulzeit bei der SWW München Weberei, spielte bei der Theatergruppe „Die Blindgänger“ und hat an Inklusionsworkshops der Otto Falckenberg Schule teilgenommen. Seit der Spielzeit 22/23 ist sie festes Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele und arbeitet auf ihren eigenen Wunsch hin weiterhin in Teilzeit in der Weberei. Sie spielte u.a. in „Amerika“, „Anti·gone – Sophokles in Leichter Sprache“ und „Oh Schreck“. Für ihre Schauspielleistung in „Wer immer hofft, stirbt singend“ erhielt sie 2022 den Therese-Giehse-Preis. 2023 wurde ihr der Förderpreis des Vereins zur Förderung der Münchner Kammerspiele e.V. verliehen. Johanna Kappauf schreibt auch Gedichte und Texte.

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Tina Lackner arbeitet seit 10 Jahren im Büro für Leichte Sprache der Gemeindediakonie Mannheim. Für das Büro hat Tina Lackner eine Vielzahl von Texten in Leichte und einfache Sprache übersetzt, darunter behördliche Schreiben, Verträge, Gesetzestexte und Audioguides für Museen. 2024 bis 2025 erarbeitete sie zusammen mit dem Regisseur Daniel Cremer und der Dramaturgin Mascha Luttmann eine Fassung von Goethes „Faust” in Leichter Sprache, die 2025 und 2026 am Nationaltheater Mannheim aufgeführt wird. Neben ihrer Übersetzungsarbeit bietet Tina Lackner Workshops an, in denen sie vermittelt, wie man Texte in Leichte Sprache übersetzt und diese auch spricht. Diese Workshops werden sowohl online als auch inhouse angeboten und richten sich an Organisationen sowie Einzelpersonen, die ihre Kommunikation inklusiver gestalten möchten.
Anne Leichtfuß, Simultandolmetscherin für Leichte Sprache, hat ihre Abschluss-Arbeit zum Thema „Einfache Sprache im Netz – Kriterien für zielgruppengerechte Websites“ geschrieben. Sie ist Redaktions-Assistenz beim Magazin „Ohrenkuss… da rein, da raus“, Mitgründerin und Webmasterin des partizipativen Forschungs-Projektes TOUCHDOWN 21 und Dozentin an der TH Köln für den Weiterbildungsgang Prozessplaner*in Inklusion.
Dennis Seidel ist Autor, Schauspieler und seit 2003 Teil der inklusiven Theatergruppe „Meine Damen und Herren“ (MD&H) aus Hamburg. Bis 2007 war er Mitglied in der Band Station 17. Dennis Seidel war an zahlreichen Produktionen von MD&H beteiligt, die auf Kampnagel, Festivals und an anderen Theatern gezeigt wurden. Er hat als Schauspieler bei externen Theater- und Filmproduktionen mitgewirkt. Seit 2015 schreibt und inszeniert er eigene Stücke, in denen er selbst mitspielt. Seine Stücke wurden auf Kampnagel, beim No Limits Festival Berlin, Grenzenlos Kultur Festival Mainz oder am Nationaltheater Mannheim gezeigt.

Bastian Wurbs, geboren 1980 im südhessischen Viernheim, besuchte die Martinsschule für Menschen mit körperlicher Behinderung in Ladenburg und als weiterführende Schule die Steven-Hawking-Schule in Neckargemünd. Im Jahr 2001 inszenierte die Gruppe des Samstagstreffs vom Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte in Eigenregie das selbst geschriebene Theaterstück „Alles anders; Verkehrte Welt“. Das Stück wurde im Forum der Jugend in Mannheim aufgeführt. Als Teil dieses Projekts entdeckte Bastian Wurbs seine Freude am Schauspiel. 2010 wurde er von den Regisseuren Stefan Hillebrand und Oliver Paulus für die Rolle des Titus in dem Spielfilm „Vielen Dank für nichts“ gecastet. Bastian Wurbs hält Vorträge über das Leben mit Behinderung, nimmt an Diskussionsrunden teil, moderiert die Sendung „Einfach reden“ beim freien Radio Bermudafunk Mannheim und leistet dadurch Aufklärungsarbeit. Zudem ist er Teil des Podcasts „Bin ich wirklich so wie du?“ und engagiert sich in der Arbeitsgruppe Barrierefreiheit Rhein-Neckar e. V.